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Frieden
mit England
Der
Druck, der auf König Robert I. lastete und der sich durch die
große Anzahl an päpstlichen Bullen und Strafen ständig
verstärkte, verlangte nach einer schottischen Erwiderung. Grant
Simpson zeigte (SIMPSON, GRANT G.: The Declaration of Arbroath revitalised.
In: The Scottish Historical Review 56. Aberdeen 1977. S. 11-33.),
das die Flut der päpstlichen Briefe, die zwischen November
1319 und Januar 1320 nach Schottland gesandt wurden, zwischen Januar
1320 und März des selben Jahres ihr Ziel erreichten. Als Reaktion
auf diese Vorgänge wurden Ende Mai 1320 drei Briefe an Papst
Johannes gesandt. Einer der Briefe trug den Namen des Königs
als Absender, der zweite den des Bischofs Lamberton von St. Andrews
und anderer schottischen Bischöfe. Beide Briefe sind verloren
gegangen, lediglich die päpstlichen Antwortschreiben sind erhalten.
Der dritte Brief wurde im Namen der Earls, Barone, Grundbesitzer
und der gesamten "Community of the Realm of Scotland"
an Papst Johannes XXII. gesandt. Dieser Brief der Barone hat die
Zeiten überstanden und wird volkstümlich als "Declaration
of Arbroath" bezeichnet. Es ist sehr wahrscheinlich, das alle
drei Briefe die Folge einer politischen Entscheidung des Königs
waren. Unwahrscheinlich scheint, das die Briefe unabhängig
voneinander entstanden sind. Der Inhalt der Declaration of Arbroath
dürfte im März 1320 in der Abtei Newbattle während
einer Versammlung des königlichen Rates besprochen und gebilligt
worden sein.
Die Declaration of Arbroath ist neben der Schlacht von Bannockburn
einer der Höhepunkte der schottischen Wars of Independence.
Manche Historiker und vor allem die Öffentlichkeit sehen in
der Declaration of Arbroath eine Formulierung der nationalen Unabhängigkeit
Schottlands oder sogar ein konstitutionelles Programm der politischen
Elite Schottlands. Die Forschung hat aber gezeigt, das es sich bei
der Declaration of Arbroath nicht um eine schottische Unabhängigkeitserklärung
handelt, sondern um ein Propagandaschreiben im königlichen
Auftrag, das dem Unabhängigkeitskampf gegen England eine politische
Legitimation verschaffen und auf die Rechtmäßigkeit des
Königtum von Robert I. verweisen sollte. Die Declaration of
Arbroath ist in erster Linie aus einer diplomatischen Notwendigkeit
heraus entstanden und nicht bei einer mutmaßlichen Zusammenkunft
von schottischen Adligen in Arbroath formuliert worden, die mit
dem Brief ihre Freiheit und die Grundzüge einer konstitutionellen
Idee ausdrücken wollten.
Neben den Vorgängen innerhalb Schottlands wurde die Notwendigkeit
eines Friedensschlusses mit England nicht vergessen. Nachdem der
Papst Edward II. zu Verhandlungen über einen dauerhaften Frieden
aufgefordert hatte, kam es zwischen März und April des Jahres
1321 zu Friedensgesprächen in Bamburgh bei Berwick. Die Friedensgespräche
führten aber zu keiner Annäherung der verfeindeten Parteien.
Dies war beiden Seiten zuzuschreiben, da sie sich mit überzogenen
Argumenten gegenseitig vor den Kopf stießen und die Legitimität
der jeweiligen Königshäuser anzweifelten. Da in Bamburgh
kein Friedensvertrag zustande gekommen war, gingen beide Seiten
wieder zu ihrer üblichen Politik über, die sich in gegenseitigen
Beschuldigungen und Überfällen äußerte. Im
Januar 1322, kurz nach Ende des zweijährigen Waffenstillstandes,
überquerten schottische Truppen die Borders und begangen damit,
Teeside zu plündern. Sie trafen auf keinen nennenswerten Widerstand,
da der englische König sich mit einer Adelsrevolte auseinandersetzen
mußte, die am 16. März 1322 in der Schlacht von Boroughbridge
ihren Höhepunkt fand. Edward II. konnte hier seine Gegner,
vor allem Earl Thomas of Lancaster, entscheidend schlagen. Die Konsolidierung
der königlichen Gewalt in England gab Edward II. genug Selbstvertrauen,
um von August bis September 1322 einen Feldzug nach Schottland zu
unternehmen, der gleichzeitig sein letzter werden sollte. Der Feldzug
hatte beinahe ein so verhängnisvolles Ende wie 1314 der Zug
nach Bannockburn. Die Schotten hatten in Südschottland alle
bedeutenden Nahrungsspeicher und die Felder niederbrennen lassen.
Auch der Viehbestand wurde in andere Regionen fortgetrieben. Gleichzeitig
überfiel König Robert mit einer kleinen Streitmacht Nordengland
und verwüstete weite Landstriche. Die englische Armee mußte
sich unter großen Verlusten wieder nach England zurückziehen,
da sie keine Erfolge vorweisen konnte und ihre Versorgung nicht
mehr gesichert war. Im Oktober fiel König Robert erneut in
England ein.
Diesmal stießen die Schotten bis nach Yorkshire vor und konnten
am 20. Oktober in der Schlacht von Byland die englischen Truppen
auf englischem Boden schlagen. Wie nach der Schlacht von Bannockburn
mußte Edward II. nach Süden flüchten und war gezwungen,
sein gesamtes Gepäck zurückzulassen. Aber auch diese Erfahrungen
änderten die Einstellung König Edwards II. nicht. Die
folgenden Friedensverhandlungen wurden durch die englische Seite
von vornherein gestört, weil Edward immer noch nicht bereit
war, Schottland als unabhängiges Königreich anzuerkennen.
Er begann die Friedensverhandlungen mit einem Brief, der an "das
Volk von Schottland" gerichtet war, wohingegen der königliche
Rang von Robert the Bruce keine Anerkennung fand.
Die Verhandlungen scheiterten aber nicht nur am Stolz des englischen
Königs, sondern auch daran, das die Engländer im Süden
den Problemen ihrer Landsleute an der Schottischen Grenze und im
übrigen Norden mit einer gewissen Gleichgültigkeit gegenüberstanden.
Da der Friedensschluß mit England durch die starre Haltung
des englischen Königs nicht in greifbare Nähe rückte,
fanden die nächsten Verhandlungen ohne Wissen des englischen
Königs statt. Im Januar 1323 verhandelte Andrew Harcla, der
Earl of Carlisle, mit König Robert über einen Waffenstillstand,
in dem Schottland sich bereit erklärt hatte, Nordengland von
weiteren Überfällen zu verschonen und zusätzlich
40 000 Marks zu entrichten. Im Gegenzug wurde lediglich verlangt,
das die schottische Unabhängigkeit anerkannt werden sollte.
Doch Edward war immer noch nicht bereit, Robert als König anzuerkennen.
Und Harcla wurde wegen seiner Anmaßung, Verhandlungen mit
Feinden Englands zu führen, hingerichtet. Es ist nicht klar,
ob Harcla die Verhandlungen führte, weil er den Norden Englands
von den immer öfters wiederkehrenden schottischen Überfällen
befreien wollte, von denen er als Earl of Carlisle besonders betroffen
war, oder weil er sich aus den Verhandlungen mit König Robert
selbst Nutzen versprach. Jedenfalls ging Edward II. auf diese Möglichkeit
zum Frieden nicht ein und ließ Harcla hinrichten.
Trotzdem wurde im Mai 1323 in Bishopthorpe ein zwölfjähriger
Waffenstillstand geschlossen. Ein Friedensvertrag, der die Verhältnisse
zwischen den beiden Königreichen regeln sollte, kam aber nicht
zustande, da König Edward II. das Königtum von Robert
I. nach wie vor nicht anerkennen wollte. Dennoch sollte der Friedensvertrag
eine gute Atmosphäre für Friedensgespräche im folgenden
Jahr in York schaffen. Ein wichtiger Punkt in diesem Einvernehmen
war die englische Bereitschaft, die Schotten nicht daran zu hindern,
von Papst Johannes Absolution und eine Aufhebung des Interdikts
zu erreichen. Dieser Punkt war eine wichtige Vorbedingung für
eine Anerkennung der Unabhängigkeit Schottlands gewesen, der
aber noch nicht erreicht werden konnte. Das Interdikt war zwar aufgeschoben
worden, aber noch nicht endgültig beseitigt. Gegen diesen Punkt
des Einvernehmens verstieß Edward II. schon kurze Zeit später,
indem er zu Beginn des Jahres 1324 eine Gesandtschaft zu Papst Johannes
schickte, die den Papst davon zu überzeugen hatte, das die
früheren Verurteilungen der Schotten wieder aufgenommen und,
wenn möglich, sogar verstärkt werden sollten. Tatsächlich
weigerte sich der Papst 1325 der Bitte König Roberts I. nachzukommen
und sein Königreich vom päpstlichen Interdikt und der
Exkommunikation zu befreien, aber Robert erhielt die Anerkennung
seines königlichen Titels. Schon 1323 war Thomas Randolph,
der Earl of Moray, nach Avignon an den päpstlichen Hof
gereist, um dort eine Anerkennung König Roberts zu erlangen.
Der Papst willigte ein und schrieb am 13. Januar 1324 König
Edward II., das er, um den Frieden näher zu bringen, Robert
the Bruce als König von Schottland anerkennen würde. Doch
die Exkommunikation und das päpstliche Interdikt wurden nicht
von Schottland genommen. Barrow nimmt an, dass Robert I. in den
Waffenstillstand nur eingewilligt hat, da er sich daraus ein beständigeres
Abkommen erhofft hatte. Edward II. unternahm aber weiterhin nichts,
um einen dauerhafteren Frieden einzugehen, sondern suchte nach seiner
Gesandtschaft von 1323 an Papst Johannes weitere Möglichkeiten,
um den Kampf gegen Schottland weiterzuführen.
Im Juli 1324 befahl Edward II. Edward Balliol, den Sohn von König
John I., an seinen Hof. Balliol hatte seit dem Tod seines Vaters
1313 in den Stammländereien seiner Familie in der Picardie
gelebt. Wahrscheinlich sah Edward II. in ihm ein geeignetes Werkzeug,
um König Robert I. zu stürzen. König Robert I. antwortete
auf diese Vorgänge mit einer Erneuerung des schottischen Bündnisses
mit Frankreich. Im April 1326 wurde in Corbeil ein Bündnis
beschlossen, in dem beide Seiten festlegten, sich gegenseitig militärische
Hilfe gegen den König von England zu leisten. Es war klar,
das ein dauerhafter Friede nicht mit Edward II. als König geschlossen
werden konnte. Als Edward II. kurz darauf von seiner Frau Isabella
und deren Geliebten Mortimer entthront wurde, geschah dies nicht,
um endlich den Frieden zwischen beiden Ländern zu erzwingen.
Nun war allerdings die Möglichkeit geschaffen, um die Gegensätze
zwischen beiden Ländern auszuräumen.
Die Möglichkeit, den Krieg zwischen Schottland und England
zu beenden kam in greifbare Nähe, als Edward II. zugunsten
seines Sohnes Edward III. abgesetzt wurde. Der neue englische König
stand zu Beginn seiner Regierung noch stark unter dem Einfluß
seiner Mutter Isabella und ihres Geliebten Roger Mortimer. Sein
Vater Edward II. hatte, neben seinen anderen politischen Problemen
und vielen Fehlern, sich halsstarrig geweigert, das Königtum
Roberts I. anzuerkennen. Zwar wurde im Mai 1323 in Bishopthorpe
ein zwölfjähriger Waffenstillstand geschlossen, doch ein
Friedensvertrag, der die Verhältnisse zwischen den beiden Königreichen
regeln sollte, kam nicht zustande, da König Edward II. von
seiner Haltung, das Königtum von Robert I. nicht anerkennen
zu wollen, nicht abwich. Diese Haltung kann man gut in der Hinrichtung
von Andrew Harcla erkennen. Erst nachdem Edward II. durch seinen
Sohn ersetzt wurde, kam ein möglicher Friedensschluß
zwischen Schottland und England näher. Edward II. wurde am
20. Januar 1327 abgesetzt und schon am 1. Februar wurde sein Sohn
Edward III. zum neuen König von England gekrönt. Die neue
englische Regierung hatte großes Interesse daran, den Waffenstillstand
von 1323 neu zu bekräftigen. Aber da der Friedensvertrag von
Edward II. seit1323 mehrere Male gebrochen wurde, versuchten nun
die Schotten, die augenblickliche Schwäche der neuen englischen
Regierung zu nutzen. Am 15. Juni 1327 überschritt ein großes
schottisches Heer die Borders und plünderte in den kommenden
Wochen Nordengland, ohne auf großen Widerstand zu treffen.
Königin Isabella und Mortimer waren nun gezwungen, mit Robert
I. Gespräche über einen dauerhaften Frieden zu führen,
da der innenpolitische Druck auf sie sehr stark anstieg. Sie beauftragten
Henry Percy, den Lord of Alnwick, damit, Vorverhandlungen für
einen dauerhaften Frieden zu beginnen. Die Punkte, die später
in den Vertag von Edinburgh aufgenommen wurden, wurden bis Oktober
1327 in Nottingham verhandelt und von beiden Königen akzeptiert.
In Edinburgh wurde schließlich im März 1328 der Friedensvertrag
beschlossen, der im Mai 1329 auch in einem englischen Parlament
in Nordhampton ratifiziert wurde. Es schien, das mit dem Vertag
von Edinburgh eine Wiederannäherung der anglo-schottischen
Verhältnisse unternommen werden sollte. Im Vertrag selbst wurde
den Schotten eine Summe von 20 000 £ Sterling als Reparationszahlung
auferlegt, da sie ja über zwanzig Jahre lang immer wieder nach
Nordengland eingefallen waren. In den Verhandlungen mit Harcla 1323
hatte sich Robert bereit erklärt 40 000 Marks (etwa 27 000
£ Sterling) für die Anerkennung der schottischen Unabhängigkeit
zu bezahlen. Diese Summe wurde zwar etwas reduziert, war aber bei
einem geschätzten jährlichen Einkommen der Krone von 15
000 Marks immer noch sehr großzügig. Im Gegenzug erkannte
England durch diesen Vertrag Schottland als ein unabhängiges
Königreich und Robert I. als dessen rechtmäßigen
König an.
Der Vertrag sah weiterhin vor, das Roberts Sohn David und Joan,
die sieben Jahre alte Schwester von Edward III. heiraten sollten,
um den Friedensvertrag zu bekräftigen. Obwohl beide noch minderjährig
waren, wurden sie am 12. Juli 1328 in Berwick verheiratet. König
Robert I. war selbst bei dieser feierlichen Zeremonie nicht zugegen.
Barrow führt dies auf zwei mögliche Gründe zurück.
Entweder wurde Robert the Bruce von seiner fortschreitenden Krankheit
daran gehindert, nach Berwick zu reisen, oder er wollte aus förmlichen
Gründen nicht in Berwick erscheinen, da er fürchtete,
eingezogene Güter an englische Barone zurückerstatten
zu müssen.
Robert I. wurde als König von Schottland anerkannt und die
Wars of Independence hatten ein erstes Ende genommen. Doch Robert
selbst war schon todkrank und starb bald darauf am 7. Juni 1329
in Cardross. Es heißt häufig, das Robert the Bruce an
Lepra starb, aber durch die mangelnden Quellen kann keine sichere
Diagnose gestellt werden. Die letzten Zweifel konnten nicht ausgeräumt
werden, aber Roberts Krankheit wurde das erste Mal am 12. Juli 1327
erwähnt, als er sich gerade in Ulster aufhielt. In den kommenden
Jahren nahm Robert am Parlament in Edinburgh 1328 teil und pilgerte
1329 noch nach Windhorn. Auch gibt es keine Aufzeichnungen, das
König Robert in den letzten Jahren von seiner Familie, seinen
Freunden oder auch nicht von ausländischen Diplomaten getrennt
worden ist.
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