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Die Unabhängigkeitskriege

England verzichtete nie darauf, seinen Einfluß in Schottland zu sichern. Alexander III. sollte für seine nordenglischen Besitztümer auch einen Lehnseid für Schottland leisten und als der englische König Edward I. von den schottischen Guardians zum Königsmacher bestimmt wurde und sogar von Teilen des Adels als Overlord anerkannt wurde, schien für England der Vertrag von York hinfällig zu werden. Obgleich man Edward nicht von vornherein imperialistische Pläne im Falle Schottlands unterstellen kann, darf man nicht vergessen, daß die politische Situation Schottlands in dieser Zeit gute Möglichkeiten bot, die mit der Einsetzung von König John Balliol und nach dessen Aufruhr im Jahre 1296 ihren Höhepunkt erreichten. Welche Folgen den nun beginnenden Wars of Independence im Vergleich zu ähnlichen Erhebungen in Wales hatte, konnte aber keine der opponierenden Parteien erahnen.
Der Konflikt, der 1296 ausbrach, wird im Allgemeinen als schottischer Unabhängigkeitskrieg gegen England angesehen. Diese Ansicht kann zu recht vertreten werden, denn es ging in weiten Teilen um das Recht Schottlands, über sich selbst bestimmen zu können. Andrerseits waren die Wars of Independence auch ein Bürgerkrieg zwischen den einzelnen schottischen Adelsfraktionen, die mehr oder weniger stark englischen Einfluß auf ihr Handeln zuließen, da sie oftmals auch Vasallen des englischen Königs waren. Nachdem der Feldzug König Edwards beendet war, schien Schottland befriedet und erobert zu sein. Doch die Regierung des englischen Vizekönigs wurde von den Schotten bald als sehr bedrückend empfunden, da die englische Regierungspraxis, die in England üblich waren, nun auch in Schottland eingeführt wurden. So waren die Schotten sehr verärgert darüber, das der englische Vizekönig Steuern erhob. Die Schotten waren bis zu diesem Zeitpunkt nicht gewohnt, Steuern zu bezahlen. Da der englische Vizekönig Hugh Cressingham bei der Eintreibung der Steuern sehr erfolgreich war, verschlimmerte sich die Situation der Schotten zusätzlich.
Dies änderte sich, als im Frühjahr 1297 ein junger schottischer Ritter aus dem Südwesten in Lanark in einen Streit mit einigen englischen Soldaten geriet. Durch die Hilfe eines Mädchens - man vermutet, das es sich dabei um die Frau des Ritters handelte - konnte er entkommen. Doch das Mädchen wurde gefangen genommen und vom Sheriff von Lanark hingerichtet. Der Ritter übte Rache, tötete in der darauffolgenden Nacht den Sheriff und wurde dadurch vogelfrei. Der Name dieses Ritters war William Wallace. Nach wenigen Wochen war Wallace der Anführer einer sich rasch ausbreitenden Bewegung nationalen Widerstands. Es war die einzige Bewegung, die in dieser Zeit offen gegen die englische Regierung in Schottland geführt wurde und sie hatte zu Beginn nur wenig Unterstützung, da sie keinen Anführer aus den Reihen des Adels hatte. Dennoch erreichte Wallace den Status eines Volkshelden, der ohne die Unterstützung des Adels große Erfolge feiern konnte. Es kam immer wieder zu Überfällen auf Nordengland, die die dortige Bevölkerung schwer trafen.
Edward I. schickte sich an, die Rebellion mit einer Armee im Keim zu ersticken. Er schickte eine große, reichlich ausgerüstete und zu selbstsichere Armee unter seinem Vizekönig Surrey nach Schottland. In der Schlacht bei Stirling Bridge 1297 wurde diese Armee von einer schlagkräftigen Truppe, die von Wallace angeführt wurde und deren Mitglieder aus allen Teilen Schottlands kamen, völlig aufgerieben. William Wallace war nun der Herr über Südschottland und wurde zum offiziellen Guardian bestimmt. Wallace selbst erkannte John I. weiter als König an und handelte in seinem Namen. Doch der Triumph von William Wallace war kurzlebig. Wallace ließ sich bei Falkirk in eine offene Feldschlacht gegen Edward ein. Die schottische Niederlage war vernichtend. Wallace selbst konnte knapp entkommen und führte seinen Guerillakampf mehrere Jahre weiter, bis er 1305 von den Engländern gefangen genommen und nach einem kurzen Prozess in Westminster Hall hingerichtet wurde. Edwards Armeen hatten jeden noch vorhandenen Widerstand gebrochen und die Auflehnung in Schottland schien beendet zu sein. Dennoch war Edwards Position nach dem Sieg über Wallace nicht die gleiche, wie nach der Schlacht von Dunbar 1292. In den nächsten Jahren unternahmen die Engländer einige ergebnislose Feldzüge, doch es gelang ihnen nicht, mehr als eine spärliche Verwaltung im Süden Schottlands zu errichten. Der Krieg gegen Wallace hatte viele Ressourcen beansprucht und angesichts der finanziellen Belastung Englands durch seine Aktivitäten in Frankreich, war die englische Handlungsfähigkeit stark eingegrenzt. Der Druck auf England stieg auch von anderer Seite an, da Frankreich und Papst Bonifaz VIII. die Freilassung von König John Balliol forderten. Edward beugte sich 1302 dem Druck des Papstes und entließ Balliol aus dem Tower und bereits ein Jahr zuvor wurde in Schottland im Namen von König John I. regiert. Edward hatte aber in Schottland einen neuen Verbündeten gefunden, der wie er die Restauration durch John fürchtete.
Unter den normannischstämmigen Edelleuten, die Edward mehr oder wenig loyal gedient hatten, befand sich Robert Bruce, der achte seines Namens seit der normannischen Eroberung und Enkel von John Balliols größtem Rivalen um den Thron von Schottland. Robert fürchtete, seine Ländereien bei einer Restauration John Balliols zu verlieren, während Edward den Verlust seiner Macht in Schottland erwarten mußte. Doch die Hoffnungen von König John Balliol zerschlugen sich, nachdem die Franzosen im Juli 1302 in der Schlacht von Courtrai eine empfindliche Niederlage hinnehmen mußten. Edward selbst konnte seine Herrschaft im südlichen Schottland etwas ausbauen, so daß sich zu Beginn des Jahres 1304 die Guardians unter John Comyn Edward unterwarfen. Offenbar rechneten sie nicht mehr damit, Widerstand leisten zu können. Edward nutzte diese Gelegenheit, um den meisten Adligen ihre Besitztümer zurückzuerstatten und sie wieder in die politische Verantwortung zu nehmen. Zwar erhielten sie nicht die uneingeschränkte Möglichkeit, an der Spitze der Regierung mitzuwirken, aber Edward mußte Schottlands Führer in seine Pläne einbeziehen, da er es sich nicht mehr leisten konnte, sein Heer länger in Schottland zu lassen und Edward die Mitwirkung der Adeligen an einer neuen Regelung zur politischen Umgestaltung des schottischen Königreichs benötigte.
Offenbar hatte sich Edward eingestanden, das er Schottland nicht wie Wales in eine englische Kolonie verwandeln konnte und er deshalb mit den Kräften zusammenarbeiten mußte, die ihn so lange Widerstand geleistet hatten. Dennoch schien es so, als ob das Königreich Schottland in den Augen Edwards aufgehört hatte zu existieren. In der Thronfolgeregelung von 1292 und auch danach wurde Schottland in englischen Dokumenten noch als Königreich bezeichnet, und Edward fügte den Titel eines Herrn über Schottland auch nicht seiner Titulatur zu, doch scheinbar hatte Schottland in England einen Status wie Irland erhalten. In einer Verordnung zur Verwaltung Schottland aus dem Jahre 1305 erhielt es nur den Rang eines Landes und wurde nicht mehr als Königreich bezeichnet. Die englische Herrschaft über die britischen Inseln schien sicher gestellt zu sein. Doch wieder einmal widerstand Schottland dem imperialen Anspruch Englands. Trotz seiner langen Vergangenheit im Dienste Edwards begann nun Robert the Bruce aufrührerisch zu werden. Was Robert dazu veranlaßte, plötzlich die Seiten zu wechseln, führte zu zahlreichen Spekulationen. Wahrscheinlich war Robert mit der gegenwärtigen Situation nicht zufrieden, da er sich seit der Annäherung an Edward von 1302 eine englische Unterstützung für den Thronanspruch des Hauses Bruce erhofft hatte, der sich seit dem Tode seines Vaters 1304 auf seine Person konzentrierte. Doch Edward unternahm keine Anstalten, Robert the Bruce auf den Thron zu setzen. Auch John Comyn, der Neffe John Balliols, der wie Robert den Thron besteigen wollte, begann Widerstand zu zeigen. Zu Beginn des Jahres 1306 wurde zwischen Robert the Bruce und John Comyn ein Treffen in der Greyfriars Kirk in Dumfries abgehalten. Dabei ging es wohl um Pläne für einen erneuten Widerstand gegen die Engländer. Wahrscheinlich bat Robert John Comyn um Unterstützung für seine Absichten. Was sich bei dem Treffen genau abspielte ist unbekannt. Aber nachdem zwischen den beiden Streit ausbrach - es ging wohl um Verrat und strittigen Landbesitz - erstach Robert Comyn und ließ ihn tot in der Kirche zurück. Mit diesem Mord hatte Robert nicht nur die Comyn in eine Blutfehde gegen sich gebracht, sondern auch die Kirche vor den Kopf gestoßen, die ein wichtiger Verbündeter für seine Pläne darstellte. Dennoch begab sich Robert nach Scone und ließ sich dort am 27. März 1306 zum König von Schottland krönen. Obwohl sich Robert sicher sein mußte, das er nicht die vollständige Unterstützung durch die schottischen Magnaten erhalten und das eine englische Reaktion auf seine Taten erfolgen würde, stellte er sich an die Spitze des nationalen Widerstands gegen England. G.W.S Barrow sieht im Vorgehen Roberts sowohl die private Revolution eines ambitionierten Mannes, als auch die politische Revolution der "Community of the Realm of Scotland" (vgl.: Barrow. Robert the Bruce and the Community of the Realm of Scotland. Edinburgh 1988). Jedenfalls ergaben die Umstände für Robert die Möglichkeit, den Anspruch des Hauses Bruce durchzusetzen und gleichzeitig das Königtum in Schottland revitalisieren zu können. Auch war die Gelegenheit günstig, da Edward ein kranker und alter Mann war und Robert wohl mit dessen baldigem Tod rechnete. Doch Edward blieb noch ein Faktor, mit dem man rechnen mußte.
Als Reaktion auf die Vorgänge in Schottland schickte Edward eine starke, englische Armee unter Aymer de Valence nach Schottland. Bei Methven wurde Robert the Bruce am 26. Juni vernichtend geschlagen. Über Nacht war König Robert ein gejagter Vogelfreier und hielt sich in den folgenden Monaten auf den inneren Hebriden versteckt. Edward ließ aus Zorn über den "Verrat" Roberts zwei seiner Brüder hinrichten - einer der beiden war der Dekan von Glasgow. Im Frühjahr 1307 konnte Bruce nach Schottland zurückkehren, fand aber sein Land im Chaos vor. Trotzdem erreichten er und seine Anhänger Palmsonntag 1307, ein Jahr nach Roberts Krönung, einen ersten Sieg: eine erfolgreiche Guerillaaktion bei Glentrool und ein Gefecht am Loudon Hill. Edward führte nun selbst eine große Armee nach Schottland, um König Robert zu bezwingen. Aber Edward, der zu diesem Zeitpunkt bereits todkrank war, sollte den Ausgang des Feldzuges nicht mehr erleben. Am 7. Juli 1307 verstarb er in Burgh on Sands.
Edwards Sohn Edward II. gab den Feldzug auf und zog sich nach England zurück, da er durch Probleme im eigenen Land ständig in Anspruch genommen wurde. Da seine Position nun etwas sicherer war, konnte Robert the Bruce die Untätigkeit Englands nützen, um nun gegen die Gegner im eigenen Land vorzugehen. Er besiegte die Comyns und ihre Verbündeten in zwei Feldzügen und konnte seine Position in Schottland weiter ausbauen. Die Wars of Independence waren mittlerweile sowohl ein "patriotischer" Kampf gegen England, als auch ein Bürgerkrieg gegen die innenpolitischen Gegner Roberts. Die innenpolitischen Probleme Edwards II. nutzte König Robert, um seine Position in Schottland weiter zu konsolidieren. Jedes Vorgehen gegen England konnte erst dann erfolgen und nicht sofort zum Scheitern verurteilt sein, wenn die Gegner im eigenen Land zu keiner Opposition mehr fähig waren. 1309 konnte Robert the Bruce in einem Parlament in St. Andrews eine weitere Konsolidierung seiner königlichen Autorität erreichen, da der schottische Klerus und die Vertreter des Adels offiziell den Anspruch des Hauses Bruce auf den Thron und Roberts Königtum bestätigten.

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