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Sir William Wallace

William Wallace kam um 1272 in einem Ort namens Elderslie zur Welt. Es war eine Zeit der Ruhe und des Wohlstand in Schottland. Diese Ruhe wurde gestört von einer Reihe tragischer Ereignisse. König Alexander III, der schon zuvor 3 Kinder zu Grabe getragen hatte binnen 5 Jahren, starb bei einem Reitunfall im Jahre 1286. Er hinterließ lediglich ein 2 Jähriges Enkelkind, als Erbin der schottischen Krone. Aber auch Margaret, die "Maid of Norway" starb nur 4 Jahre später womit sie Schottlands erstes Interregnum bescherte. Nebst unzählige Kandidaten um die vakante Krone traten zwei Haupt-kontrahenten hervor, John Balliol und Robert Bruce (der Vater des späteren Königs).
Beide stammten direkt von David I. ab.
Der schottische Adel bat Edward I, den König von England, der bisher als guter Nachbar galt, als Unparteiischen eine Entscheidung zu treffen. Edward, der seine eigenen Pläne schmiedete, zögerte noch mit seiner Entscheidung, um interne Rivalitäten zu schüren. Er überredete die schottischen Edelleute, alle strategisch wichtigen Festungen an die Engländer auszuhändigen, um einen drohenden Bürgerkrieg zu verhindern, zumindest bis eine neue König auserwählt würde. Bis November 1292 stand Schottland somit praktisch unter englischer Herrschaft. John Baliol wurde zum König gekrönt unter der Voraussetzung, er schwöre König Edward von England di
e Treue und würde ihn als seinen Herrn ansehen. Somit war Schottland zu einer geteilten Provinz verkommen unter einem schwachen König der lediglich eine, von den Engländern ausgesuchte, Marionette war.
Etwa 4 Jahre später als Edward versuchte Frankreich zu unterwerfen, unterschrieb Balliol ein geheimes Abkommen mit den Franzosen und fiel darauf hin in Nordengland ein. Das ganze Vorhaben schlug fehl und Edward kehrte wütend aus Frankreich zurück, nur um die wohl schlimmsten Grausamkeiten in der Geschichte Britanniens zu begehen. Am 30. März 1296 wurden 20 000 Männer, Frauen und Kinder massakriert, praktisch die gesamten Einwohner des schottischen Grenzortes Berwick. Das schottische Heer wurde in Spottiesmuir nahe Dunbar vernichtend geschlagen. Balliol verlor seine Krone und wurde später nach Frankreich ins Exil geschickt.
Der Krönungsstein (Stone of Scone) wurde nach Westminster Abbey gebracht und die gesamte schottische Bevölkerung wurde gezwungen, Edward die Treue zu schwören. Hierzu mußten alle Einwohner die sogenannte "Ragman Roll" unterzeichnen. Auffällig war das fehlen eines bestimmten Namens - Sir Malcolm Wallace. Es war in diesem Moment als Malcolms kleinerer Bruder William, "sein Haupt erhob".
Der Vater von William und Malcolm, ebenfalls Malcolm genannt, wurde im Jahr 1291 getötet, als Edward Schottland eroberte. Diese Tat schürte Williams Haß gegen die englischen Besatzer. Sein erster Zusammenstoß mit den englischen Behörden passierte noch im selben Jahr während seine Studienzeit.
So wird erzählt das englische Besatzungstruppen Freude daran hatten, Einheimische der Stadt Dundee aufzumischen. Angeblich beleidigte ein junger englischer Soldat namens Selby Wallace, der daraufhin Selby in einer Rauferei niederschlug und tötete. Als Folge erklärte die Amtsgewalt der Stadt Wallace zum Gesetzlosen.
In der anderen Version wird das friedliche Leben des jugendlichen Wallace sogar noch gewaltiger erschüttert, als seine Frau, Marion Braidfute, 1297 vom verhaßten englischen Sheriff Haselrig von Lanark brutal vergewaltigt und getötet wurde. Leider ist es nicht erwiesen ob Wallace mit Marion wirklich verheiratet war oder ob sie nur seine Geliebte gewesen ist. Sicher ist aber das die beiden eine gemeinsame Tochter hatten, die später Sir William Baillie of Hoprig heiratete.


SIR WILLIAM WALLACE OF ELDERSLIE

Nach dem Zwischenfall mit Sheriff Haselrig tat er sich mit anderen unzufriedenen jungen Schotten zusammen, unter ihnen Sir John de Graham, Bischof Wishart of Glasgow und der Lord-High-Stewart von Schottland, Sir Andrew Moray, die schon gegen die englische Oberherrschaft kämpften. Im Laufe der folgenden 5 Jahre, lebte William Wallace ein Robin Hood ähnliches Leben. Und viele Menschen glaubten, die Legenden um Robin Hood wurden von den englischen Geschichtenerzählern, die von den wahren Taten Wallaces gehört hatten, abgeschrieben. Aber die Schotten hatten ihren eigenen Geschichtenerzähler. Der wohl bekannteste, Blind Harry, erzählte wie William drei englische Soldaten am Fluß Irvine tötete, nachdem sie ihm seinen Fang stehlen wollten. Er erzählte auch von einem Engländer, mit dem Ruf eines Gewichthebers, der jedem Schotten der sich traute, ihm mit einer Art Latte eins überzubraten. Der Spaß kostete lediglich 1 Groat (4 Pence). Wallace gab ihn 3 Groats und brach sein Kreuz. Er erzählte zudem noch wie Wallace seiner Gefangenschaft in Ayr entkommen konnte als er die Wärter austrickste in dem er sich Tot stellte.
Nach der schottische Niederlage in Dunbar und der zunehmenden Unterdrückung, wurden die Heldentaten von William Wallace immer gefährlicher und des modernen Guerillakampf ähnlicher. Diese Periode machte Wallace zu einer Führerpersönlichkeit. Sein Ruf verbreitete sich schnell und Männer strömten von überall her, um ihn zu begleiten. Im 300 Meilen entfernten Nordosten Schottlands, hißte der junge Edelmann Andrew de Moray die Familienfahne über Ormonde Castle und erklärte damit seine Abneigung gegen die englischen Aggressoren. Moray verursachte eine Revolte im ganzen Nordosten. Nach der Einnahme von Inverness und Elgin, marschierte er Richtung Süden. Währenddessen war Wallace auf dem Weg nach Norden. Anfang August 1297 nahm er Dunnottar Castle ein, ehe er sich mit de Moray, nahe Aberdeen, die Hände reichte.


DAS WALLACE MONUMENT BEI STERLING

Hier befanden sich die Felsklippen des Abbey Craig, von wo aus Wallace seine Angriffe auf die Sterling Bridge steuerte

Zusammen wurden Wallace und Moray Führer der schottischen Widerstands-gruppen. Unter ihren verwegenen Heldentaten befand sich auch ein Angriff auf den englischen Richter Ormsby, während er gerade in Scone eine Gerichtsverhandlung führte. Ormsby gelang die Flucht, aber viele seiner Gefolgsleute wurden getötet. Dann hörte Wallace, daß die Engländer seinen Onkel, Sir Ronald Crawford, getötet hatten, worauf er seine stetig wachsende Gruppe mit Widerstandskämpfern südlich nach Ayr führte, wo sie zur Vergeltung die Kaserne der englischen Besatzungstruppen niederbrannten. Als die Nachricht über Wallaces Taten König Edward erreichten, befahl er seiner Armee unter dem Kommando von Sir Robert Clifford und Sir Henry Percy, sich mit ihm zu befassen. Die Engländer holten Wallace und seine schottischen Kämpfer bei Irvine ein.
Wallace war dafür, weiter standhaft zu bleiben, aber er wurde von allen anderen schottischen Adligen verlassen, die Edward die Treue schwören, bis auf Sir Andrew de Moray, der ihm loyal zur Seite stand. Ungeachtet dessen, daß er von so vielen seiner schottischen Gefährten so schmählich im Stich gelassen wurde, versammelte Wallace seine verbliebenen Männer und marschierte nordwärts, wo sich ihm auf dem Weg viele andere Gefolgsleute anschlossen. Mit ihrer Hilfe erlangte er die meisten der von englischen Truppen besetzten Burgen nördlich des Flusses Forth zurück.

Am 11. September 1297, versteckten sich William Wallace und Andrew de Moray zusammen mit schottische Patrioten, die zum größten Anteil aus dem gemeinen Volk des Landes bestand, in den Wäldern auf einer Anhöhe westlich vom Abbey Craig. Sie beobachteten wie die Anzahl von Engländern, auf dem nördlichen Ufer des River Forths, ständig zunahm. Im richtigen Moment gab Wallace den Befehl und die Schotten stürmten das Schlachtfeld und warfen sich in den Kampf gegen das 'mächtigste Heer des Christentums'. Die Engländer verfügten über eine Macht von 1000 Reiter und 50000 Fußsoldaten. (Zahlen variieren je nach Quelle) Die Engländer gerieten in Panik.

DIE SCHLACHT AN DER STERLING BRIDGE

Es hatte den Anschein als ob die Schotten von überall und nirgendwo auftauchten, obwohl die Engländer ihnen eins zu drei überlegen waren. Danach folgte ein Gemetzel. Die englischen Verluste betrugen mehr als 10000 Mann an jenem Tag. Und es sollten noch mehr werden, als das dezimierte Heer versuchte wieder zurück nach England zu fliehen. Die Verluste auf schottischer Seite waren erstaunlich niedrig, mit Ausnahme eines herben Verlustes.
Andrew de Moray wurde ernsthaft verwundet. Der Vizekommandeur von Wallace erlag, nur einigen Wochen nach dem spektakulären und unerwartetem Triumph, seine Verletzungen.
Wallace ging nun als zum Ritter geschlagener Sieger von Stirling Bridge hervor und im Alter von 25 Jahren, wurde er zum Reichsverweser und Beschützer Schottlands ernannt. Er setzte seinen Siegeszug fort in dem er in Nordengland einmarschierte. Er überfiel Festungen und beschlagnahmte dringend benötigte Vorräte und Beute für ein vom Krieg gezeichnetes Schottland. Wallace, vormals ein Gemeiner, genoß eine überwältigende Popularität. Er begann eine Sozialrevolution, wo Soldaten nach Können befördert wurden, und nicht nach Titeln oder Sozialrang. Den Edelleuten mißfiel das Ganze. Ein Mißfallen, der Wallace in Falkirk zum Verhängnis wurde. William Wallaces Sozialrevolution tauschte Feudalismus gegen ein System basierend auf römischen und griechischen militärischen Traditionen, wobei nach Können befördert wurde und nicht nach Gesellschaftsstand.
Der neue Reichsverweser und Beschützer Schottlands steigerte dadurch nicht gerade seine Beliebtheit in den adeligen Kreisen, jedoch durch seine Popularität konnten sie dem nicht viel entgegensetzen. Im Juni 1298 formierte sich eine englische Einheit von 100 000 Mann in Berwick, diesmal unter dem direkten Kommando von Edward the Longshanks. Sie marschierten nördlich in Richtung Edinburgh als Edward ernsthaft in Erwägung zog, mangels Verpflegung, umzukehren. Jedoch ein Späher meldete ihm das die schottische Armee in der nähe von Stirling ihr Lager aufgeschlagen hatte. Auf Grund dessen zwang Edward seine Armee in Richtung Linlithgow weiter zu marschieren während die Schotten schliefen.
Am 22. Juli formierten sich die Schotten südlich von Falkirk um Edwards mächtiger Armee entgegenzutreten. Der Angriff begann seitens der Engländer. 3000 Kavalaristen in schweren Rüstungen attackierten zuerst doch die Schiltrons (menschliche Barrikaden) hielten stand. Die walisischen Bogenschützen weigerten sich zu kämpfen aber die Lancastrians schossen ihr ganzes Potential ihrer tödlichen Pfeile auf die eng formierte schottische Infanterie. Ein entscheidender Angriff der 500 Mann starken schottischen Kavallerie hätte die Bogenschützen womöglich gesprengt, aber man zog es vor auf den Rat des ältesten schottischen Edelmannes, John "the Red Comyn" zu hören und das Schlachtfeld zu verlassen. Die Waliser kehrten ins Getümmel zurück und beteiligten sich am Gemetzel gegen die wehrlosen schottischen Schiltrons. Der demoralisierte Wallace zog sich, zusammen mit einigem Überlebenden, zurück. Einige wagten zu behaupten Comyn zog sich aus Angst zurück. Aber Verrat und Neid waren sicherlich eher die richtigen Motive. Durch seine heldenhaften Errungenschaften ließ William Wallace einige Edelleute lachhaft erscheinen. Abgesehen davon waren unter den Toten auf dem Schlachtfeld von Falkirk an jenem Abend wenige schottischen Edelleute zu beklagen. Das Erscheinen von Robert the Bruce auf Seiten Englands in Falkirk wurde von Blind Harry erwähnt und wurde von Randall Wallace in Braveheart übernommen. Jedoch ist sich die Mehrheit der Historiker einig das er sich zu diesem Zeitpunkt auf seinem Landsitz in Carrick aufhielt. The Bruce kämpfte sicherlich nicht auf schottischer Seite, da sein Anspruch auf die schottische Krone, im Falle eines Sieges, nicht mehr aufrecht zu erhalten gewesen wäre. Der Anspruch wäre, dem im Exil lebendem John Baliol zugefallen.
Nach der Schlacht von Falkirk trat Wallace als Reichsverweser und Beschützer Schottlands zurück. Er ging nach Frankreich, in der Hoffnung, internationale Unterstützung für die Befreiung Schottlands und dessen Unabhängigkeit zu gewinnen. Im Jahr 1302 kehrte William Wallace nach, dem vom Krieg verwüsteten, Schottland zurück. Aber Edwards Einfluß wurde vom mal zu mal größer als immer mehr schottische Edelleuten erneut den Frieden mit ihm suchten. Edward ging gnädig mit ihnen um, insbesondere mit Edelleuten wie Bruce und Comyn aber nicht mit Wallace. Im Juli 1305 reiste Wallace nach Glasgow, in der Hoffnung Bruce zu treffen. Über einen Monat wartete er, ungeduldig, in einem geheimen Versteck in Robroyston am Stadtrand. Bruce erschien nicht und Wallace wurde verraten. Er wurde aufgespürt von einer Gruppe schottischer Ritter, angeführt von Sir John de Menteith. Er wurde in Ketten gelegt und nach London gebracht.

DIE VERURTEILUNG VON WALLACE

Sir William Wallace wurden unzählige Vergehen gegen die englische Krone vorgeworfen. Dennoch ist das Vergehen Hochverrat schwer zu verstehen. Er hatte Edward I niemals die Treue geschworen. genaugenommen, war es exakt jenes Vergehen das Edward unbedingt ahnden wollte. Seine Strafe fiel alles andere als Mild aus. Nach einem Schauprozeß wurde er zweieinhalb Meilen von Westminster Hall zum Tower of London geschliffen. Danach eine weitere Meile über Aldgate nach Smithfield. Hier wurde er gehängt aber kurz darauf wieder losgeschnitten weil er noch lebte. An einem Strick wurde Wallace aufrecht gehalten, man schnitt ihm seinen Genitalien ab und verbrannte sie vor seinen Augen. Nun schlitzten die Folterknechte, dem immer noch vom Strick aufrecht gehaltenen Wallace, den Bauch auf entnahmen seine Eingeweide, und verbrannten auch diese. Danach wurde seine Brust geöffnet und sein Herz entfernt. Am Ende ließ man Wallace enthaupten und vierteilen.
Sein Kopf wurde auf der London Bridge an einem Pfahl aufgespießt. Die Vier restlichen Teile seines Körpers wurden in Berwick, Newcastle, Perth und Stirling öffentlich ausgestellt, als Mahnmal für diejenigen die Wallace Beispiel zu folgen vermögen.
Die erhoffte Wirkung blieb aus. Im Jahr 1306 wurde Robert the Bruce, Earl of Carrick zum König Robert I. von Schottland ernannt. Ein Jahr später, 1307, starb Edward the Longshanks und Schottland konnte erneut Hoffnung auf Freiheit schöpfen.

DAS WAPPEN DES WILLIAM WALLACE


DAS WAPPEN DES
WILLIAM WALLACE



FOTO:
R.Hüls 1998

Diese Wallace Figur in voller Rüstung kann man im Bannockburn Visitor Center bei Sterling besichtigen. Ein weißer Löwe und eine blau weiße Bordüre zieren den roten Wappenrock von Wallace. Da man aber keine genauen Aufzeichnungen mehr über das "Wallace Wappen" besitzt, wird von den Historikern stark angenommen das William diese Wappenfarben (wie auf dem Foto) getragen hat. Allerdings nur bis zum Tode seines Vaters und des älteren Bruders. Hiernach übernahm William das väterliche Wappen ohne die Bordüre.

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